Tagungsbericht zur 1. Statuskonferenz

Forschungsinitiative präsentiert erste Ergebnisse

10.10.2016 - Am 22./23.9.2016 fand die erste Statuskonferenz der Initiative „Zukunftsfähige Stromnetze“ statt. Rund 310 Teilnehmer folgten der Einladung der Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie für Wirtschaft und Energie in das Ludwig Erhard Haus in Berlin. An zwei Tagen konnten sich die Teilnehmer über Forschungsergebnisse im Bereich der Stromnetze informieren und intensiv an den Diskussionen beteiligen. Insgesamt arbeiten in der Initiative 81 Forschungsverbünde aus Wissenschaft und Wirtschaft.

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Die Teilnehmer des ersten Tages wurden von Dr. Karl Huthmacher/ Abteilungsleiter Zukunftsvorsorge-Forschung für Grundlagen und Nachhaltigkeit im BMBF sowie Ulrich Benterbusch/ Leiter der Unterabteilung Wärme und Effizienz in Industrie und Haushalten, nachhaltige Mobilität im BMWi begrüßt.

Dr. Huthmacher leitete seine Eröffnung damit ein, dass die Steuerung des Stromnetzes eine immense Aufgabe ist, da es europaweit mit gleicher Frequenz schwingen muss. Der Wandel der Energieerzeugung ist in vollem Gang und keineswegs konfliktfrei. Für eine andere, sensiblere Netzstruktur ist daher eine enge Kooperation und vor allem Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wesentlich.

Herr Benterbusch machte deutlich, dass nur Innovationen die Energiewende vorantreiben. Am Ende werden Lösungen gebraucht, die in die Praxis umgesetzt werden können. Dazu ist die Vernetzung unter den beteiligten Akteuren eine entscheidende Voraussetzung. Mit einem neuen Strategiereferat im BMWi will die Bundesregierung dazu beitragen.

Anschließend hielt Achim Zerres, Abteilungsleiter Energieregulierung der Bundesnetzagentur einen Impulsvortrag zu dem Thema Herausforderungen und Chancen eines dezentralen Netzes.
Danach standen drei Themen auf der Agenda: „Systemdienstleistungen“, „Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und Sicherheit“ sowie „Netzplanung und Netzausbau“. Hierzu haben anerkannte Experten, die Professoren Kurt Rohrig (Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik), Bernd Engel (Technische Universität Braunschweig) und Christian Rehtanz (Technische Universität Dortmund) sowie die Referenten Hanns Seidl (Deutsche Energie-Agentur) und Dr. Wilhelm Winter (TenneT TSO GmbH) eine Einführung in ihre jeweiligen Bereiche gegeben und eine erste Diskussionsgrundlage für die anstehende Mittagspause geschaffen.

Zentral oder dezentral?

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Die anschließende Podiumsdiskussion beleuchtete die verschiedenen Optionen, die ein stärker zentraler beziehungsweise dezentraler Ausbau der Stromnetze für die Zukunft bietet. Das Podium bildeten Dr. Thomas Engelke von der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Professor Wolfram H. Wellßow von der Technischen Universität Kaiserslautern, Achim Zerres von der Bundesnetzagentur, Sascha Müller-Kraenner von der deutschen Umwelthilfe sowie Dr. Joachim Pfeiffer/ MdB und Johann Saathoff/ MdB. Übereinstimmend stellten die Teilnehmer fest, dass der Großteil der Bevölkerung die Energiewende im Grundsatz befürworte. Trotzdem müssen die notwendigen Innovationen für einen leistungsfähigen Netzausbau um Akzeptanz kämpfen. Ein weiteres Thema betraf das neue EEG (Erneuerbare Energien Gesetz). Vor allem ging es dabei um die künftigen Möglichkeiten von Bürgern, sich weiterhin an der Erzeugung erneuerbaren Stroms beteiligen zu können. Zur Frage der Marktstruktur in den nächsten Jahren herrschte auf dem Podium Konsens, dass dabei der Wettbewerb das beste Instrument sei. Dieser wird entscheiden, wer sich am Ende durchsetzen wird: Stadtwerke, Kommunen, kleine Netze oder mehr Bürgerbeteiligungen.

Von der Forschung bis zur Anwendung

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In einer weiteren Diskussionsrunde sollten die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft ausgetauscht werden. Herr Professor Martin Braun vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel stellte den wissenschaftlichen Teil dar. Seitens der Wirtschaft nahmen Stefan Hoppert von der A. Eberle GmbH, Dr. Stefan Nießen von der Siemens AG und Dr. Fynn Scheben von der Moeller Operating Engineering GmbH teil. Die Teilnehmer erörterten die Möglichkeiten, den Technologietransfer aus der Forschung in die Praxis zu beschleunigen. Übereinstimmung herrschte, dass Wissenschaft und Wirtschaft in vielen Kooperationsprojekten bewiesen haben, dass sie erfolgreich innovative Technologien entwickeln können, wenn eine klare Zielstellung vorliegt. Der Wunsch an die Politik war, die dann anschließende Phase der Produktentwicklung und Markteinführung zu unterstützen.

Den Abschluss des Tages bot ein Netzwerkabend mit Postersessions, hier stellten die Forschungsverbünde anschaulich ihre Inhalte vor und standen für Diskussionen zur Verfügung.

Präsentationen der Verbünde

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Mit dieser Grundlage ging es am zweiten Tag in parallelen Sessions zu den Themen Netzbetrieb, Netzplanung und Verteilungstechnik, in denen sich alle Verbünde in kurzen Vorträgen vorstellten, erste Ergebnisse präsentierten und den Projektbeteiligten die Möglichkeit boten, sich noch intensiver auszutauschen.

Im Schlusswort appellierten die Mitarbeiter vom Projektträger Jülich an die Teilnehmer, die Chance zur Vernetzung und Kommunikation zu nutzen. Sie stellten als eine Möglichkeit die Forschungsnetzwerke der Bundesministerien, z.B. das Forschungsnetzwerk Energie, vor, die die wesentlichen Akteure eines Themenfeldes adressieren und zu Teilnahme und Dialog einladen.

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